Liegengelassene, wehleidige Wahrnehmungen des Sommers, von der dick eiternden Stadt, dumpf pochend, wütende Versuche sich zu kratzen und verstörendes Wohlgefühl im Nachlassen der Entzündung. Jetzt sind sie noch ältere Erinnerungen. In der Ruhe des Winters, wirken sie auf mich, als dürfe, nein, müsse der Sommer in diesem Jahr ausfallen.

    1. [Anfang AUGUST]

    Sie knallte die Türe
    aß Zimtbrötchen,
    mit besonderem Genuss die braun triefende Mitte,
    legte ihren Arm zu nahe an mich heran,
    saß schief, sloppy,
    blickte drein,
    kein Gefühl fürs Feine,
    im Abenddress, Handtaschen auf dem Tisch.
    – wo hört mein Körper auf, wo mein Auto? Unbekannt.

    2. [AUGUST] Sinnliche Verrohung im Zug der Klimaanlage, depressive Musik mit enervierend hochtönenden Chorälen, während alle Zeit barbarisch die zwei vorhandenen Türen zugeschlagen werden. Im Ofen verbrennt Fett und setzt sich in die Poren von Haut, Haar und Textilem.

    3. [22.08.] Seize the day.
    Ende Mai, oder September, wenn die Luft in der Stadt noch nicht, oder nicht mehr in die Lungen fließt, wie zäh verflüssigtes Wachs, dann sitzen die Menschen im Freien. Der Himmel zeigt sich in einem besonderen Blau, sehr klar, ohne Anzeichen der Wolkenbildung. Der Blick kann wandern vom Zenit zum Horizont, und man glaubt, es sei der selbe unverhangne Himmel, so gering wird noch Licht gebrochen, dass einen viel längeren Weg gegangen ist, um in unser Auge zu fallen. Unbestimmt und weiß, oder etwas schmutzig grau sieht es im allgemeinen aus, gucken wir geradeaus. Das liegt mitunter am Wetter, aber der Bewohner unter diesem Himmel erkennt an jedem anderen Tag seine Mitschuld an und nennt es Smog.
    Manchmal zeigt sich seine klare Aussicht auch zwischen Mai und September, das ist etwas was besonderes, derart besonders, dass ich seit Minuten durch das lockere Dach aus wildem Wein im Hinterhof meines Hauses auf einen Ausschnitt dieses Blaus hindurchsehe, ja, derart auffällig nichts anderes tue als erhobnen Haupt dort drauf und durchzusehen, dass mein Freund mich beim Genuss erwischt. Er sieht, dass ich nicht arbeite, mein Geschmack beschäftigt mich.
    Zuvor am Morgen habe ich die Wäsche sich selbst überlassen und bin einkaufen gegangen. Dabei ist mir zum ersten Mal das Ungewöhnliche der Witterung aufgefallen mit der das Blau einhergeht. Ich lief am Museum vorbei und das Museum sah sehr einladend aus, und ich lief an Washingtons Gedenksäule vorbei und sie leuchtete einladend, wie auch die Kirche der Unitaristen daneben. Letzteres war mir leise Warnung – ich war offensichtlich nicht ganz bei Trost.
    Im Supermarkt kaufte ich vier Avocados zu drei Dollar, ein Fläschchen Limetten-Spülmitttel zu eins zwanzig und eine regional hergestellte Bio-Seife mit einer Hummel vorne drauf zu acht Dollar. Auch das ein Zeichen scheidender Urteilskraft, als sei ich besoffen am hellichten Tage.

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