zweiter September | 2021

    Meine Bibliothek zieht um / Nebenwirkungen.
    Meine Bibliothek zieht um. Ich packte den ersten Teil davon ins Auto und fuhr neun Stunden lang – an den neuen Ort. Auf dem Weg dahin holte ich mir meine zweite Impfdosis ab, schaffte es aber noch gut in die Küche und an den Tisch und lud auch noch alles aus dem Auto in den Flur. Dort standen die vielen Kilos in Koffern und Leinensäcken. Beim Abwasch waren es schon nicht mehr 100% von mir, die abwuschen und mir wurde klar, dass ich heute unmöglich die Leinensäcke mit Büchern in den ersten Stock würde tragen können. So war es am Abend auch, und am nächsten Morgen, und auch am nächsten Abend. Mehrmals hatte ich mir das jetzt vorgenommen, diese an sich lächerliche Arbeit, und ich fand mich einfach nicht in der Lage.
    Nach zwei Tagen war mir die Welt ein einziges Hindernis. Nichts sollte sich mir mehr ergeben, niemals wieder. Zwischen Bett, Kühlschrank und Toilette brach ich in Schweiß aus und setzte mich alle paar Meter hin. Mir fehlte die Phantasie. Ich konnte mir kein Leben vorstellen, in dem ich auf dem Weg nach oben zwei-drei Sack Bücher nehme, so als sei es nichts.

    Am dritten Tag konnte ich wieder. Beim Einräumen der Bücher fiel mir aber auf, wie viele davon ungelesen sind, oder noch schlimmer, mir fiel ein, wo ich sie gelesen hatte und welche Menschen mit ihnen zu tun hatten. Und da konnte ich schon wieder nicht und habe mich hingesetzt, um mich zu impfen.

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