Dreiundzwanzigster August | 2021

    „Ahh, this one goes out to all the Big Willies“
    (Will Smith: Big Willie Style)

    Fraternisieren mit dem Feind verboten.
    Ich hatte mal einen Freund, mit dem verstand ich mich bedingt gut. Es gab immer so Momente, da ging es nicht mehr, dann wollte er irgendwas, Respekt oder so, aber für etwas Unsichtbares. Ganz begriffen habe ich das zu Lebzeiten unserer Freundschaft nie. Später, als er einen anderen Freund auf dem Kieker hatte, weil dieser eine Beziehung mit der Partnerin eines wiederum anderen Freundes hatte, da stand er schonmal auf der anderen Straßenseite und machte darauf aufmerksam, dass er im Besitz einer langen schweren Fahrradkette war und dass er sich darauf verstand, diese in der Luft so zu beschleunigen, dass ihr äußerstes Ende zu epidermalen Verletzungen taugte oder das Augenlicht gefährden konnte.
    In der komplexen Menge von zwischenmenschlichem Durcheinander und sich beschleunigender Kette wurde mir klar, dass das nichts mehr mit uns wird.
    Gestern Abend in der Bar musste ich an ihn denken. Da besoff sich einer über seine Freunde hinaus, die dann gingen, und so war ich, am langen Ende der Theke mit Bier und Notizbuch, plötzlich die einzige Quelle für positives Feedback. Ich schlug noch ein und machte Konversation, ehe wiederholte Schläge auf die Schulter und so halb-feste Griffe an den Nacken mich in sein Brudi-Universum zu ziehen drohten. Das verbat ich mir ausdrücklich und mehrfach, to no avail.
    Zu ganz später Stunde erwachte er aus seinem Sekundenschlaf und hob den Kopf vom Tresen. Er sprach, mit Fingerzeig auf die Bedienung hinter der Bar, dass wir ja beide Männer seien, die gerne Dummheiten machten, aber dass er heute derjenige sei, der mit der Dummheit an der Reihe wäre. Ich brach in lautes Gelächter aus. Gerne hätte ich ihm gesagt, er sei ein Dödel, aber mir gehen diese feinen tonalen Unterschiede ab. Im französischen beleidige ich zu derb, unter Arsch geht es sich nicht aus, und so stand ich stattdessen auf und gab ihm drei Schläge zurück auf die Schulter, dem kleinen Arsch, und wünschte ihm übertrieben laut viel Glück.
    Am nächsten Abend am Tresen sprach ich mit Melanie und sie sagte mir, dass sie es letzte Nacht in das Gebäude gegenüber nach Hause bringen musste, wobei es mehrfach auf der Treppe stürzte, sich am Kopf verletzte, ehe es im Flur erschöpft aufgab und auf dem Boden einschlief, das Patriarchat.
    Ich hingegen habe aus der ganzen Sache gar nichts gelernt, schließe zur rush hour um sechs Uhr morgens mein Fahrrad auf, als sei nichts dabei. Schon jetzt bin ich vier, fünf Leuten stark im Weg gewesen, ich aber will mein Fahrradschloss nicht zur Waffe erklären. In der Nacht zuvor sind wir mal wieder an unseren lächerlichen Träumen gescheitert, schlag ein.

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