fünfter August | 2021

    In the dusk of the day under old city walls I howl.
    And I call for a light
    And I howl like it’s lust – only the drunks are out.
    And they know my name
    And they all like to say, We’re glad that you’re here.
    We’re glad that you’re here.
    (Pere Ubu: Babylonian Warehouse)

    Hinten auf dem Umschlag von Karl Heinz Stierles „Paris Denken“ steht angenehmerweise nur einziger Feuilletonsatz. Zwecks Verkaufsförderung muss dort irgend etwas stehen. Vier Adjektive, mehr nicht. Danke. Das SR2 Kulturradio sagt Folgendes, dass Stierle ein kenntnisreicher, in allen Künsten und Diskursen erprobter, ortskundiger Führer für die „einem Ameisenhaufen gleichende Mega-Stadt“ Paris sei, und zu Stierle will ich dem Saarländischen Rundfunk nicht widersprechen.
    Aber aus dem deutschen Imaginationsraum heraus kann ich mir im Zentrum Frankreichs keine Megastadt vorstellen. Und auch während ich hier sitze, oder mit dem Fahrrad durchfahre, bringe ich es nicht über mich. Gibt es in Europa eine Mega-Stadt? Es gibt Ballungsräume, einzelne Großstädte, sicherlich. Mexiko-City, Mumbai, Shanghai, Los Angeles sind Strukturen auf die ich die Megastadt werfen kann, ohne mir dabei albern vorzukommen, Paris nicht. Soviel zu mir.
    Nun gibt es sehr wohl den Begriff ‚Megastadt‘ und der hält sich an der Einwohnerzahl auf. Da wird Paris mit knapp mehr Einwohnern als Wien von jeder vorderasiatischen Mittelstadt in den megastädtischen Schatten gestellt. Aber da gibt es noch die so genannte Metropolregion, und die Metropolregion Paris hat über 12 Millionen Einwohner. Ich sehe ein: Paris ist Metropolregion, ebenso sowie das Ruhrgebiet. Bei Metropolregionen mit x-Einwohnern spricht man auch von Megastädten. Soviel zum Begriff.
    Letztens habe ich eine Kamera in Bochum abgeholt. Ich lief durch die Fußgängerzone, musste vorher etwa 100 Meter vom Geschäft entfernt in einer Seitenstraße parken. Ich warf gleich zwei Euro rein, damit ich vielleicht noch irgendwo was essen hätte können. Es war früh am Morgen, weiße Kleintransporter, Kellner wuschen Tische, in den Küchen wurden Schnitzel und Buttergemüse aufgetaut, vereinzelte Dackel ohne Not. Ich rief: „Bochum, Megastadt, Du deine Kinder fressender Moloch!“ aber wenn man es genau nahm, waren die Geschäfte und Restaurants noch geschlossen.
    Ich habe das vierte Adjektiv noch nicht besprochen „gleichend“. Dazu kann ich sagen, nicht ich vergleiche hier Paris mit Bochum, sondern der Saarländische Rundfunk. Ich bin nicht der Saarländische Rundfunk. In meinem Blog leben Dackel ohne Not.

    Ich will – tba

    Es war eine lange Nacht, in der ich nicht schlafen wollte und konnte. Eine Mischung aus Hitze und Rastlosigkeit. Ein Uhr, zwei Uhr, bis ich sagte, dass es reicht. Ein letzter Blick aufs Telephon zeigte, dass ein mir lieber Mensch um ein Uhr angerufen hatte. Ich rief zurück, fand aber keine Antwort. Eine Nachricht war hinterlassen worden. Sie war voller Liebe, Hass und Tränen und bewegte mich sehr. Drei Uhr, vier Uhr.
    Später am Morgen suchte ich wieder Antwort, wollte vieles sagen auf die Liebe, den Hass, die Tränen, die schönen und schrecklichen gesagten Dinge. Den Menschen aus der Nacht zuvor gab es nicht mehr. Die Nummer war vergeben. Ich sprach mit jemandem, der von diesen Gefühlen nichts wusste.
    Das ist jetzt sieben Nächte her, und ich denke viel darüber nach, bis es reicht.

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