Das Sprichwort: ‚Wer langsam läuft kommt auch zum Ziel‘ bedarf der Variation. Aktuell ist: ‚Wer langsam läuft, wird zum Rennen nicht zugelassen.‘
    Das ist jetzt so, aber man darf sich ans Vorangegangene erinnern.

    Karen Krüger schreibt in der FAZ: „Die arabische Gesellschaft ist von der Gleichberechtigung der Geschlechter weiter entfernt als die Sonne vom Mond.“
    Das ist eine tolle Metapher, denn sie könnte sehr schön selbstkritisch die Beschränktheit des eigenen Standpunktes markieren. Erde und Mond als die Antagonisten eines Doppelplaneten, einander umkreisend, immer einer näher, einer ferner der Sonne, dann wieder verkehrt… ad infinitum. Leider ist der Rest des Artikels in einem Ton der Überzeugung geschrieben, der ein solches, relatives Bewusstsein vermissen lässt. Es fehlt also der entsprechende Kontext für meine erste wohlwollende Deutung. Es bleiben (mindestens) zwei weitere.
    Entweder ist gemeint die scheinbare Entfernung von Sonne und Mond am Firmament, also Winkel und Distanz der beiden zueinander. Dann hätte Frau Krügers polemisches Bild noch ganz andere Konsequen. Sind die beiden so weit voneinander entfernt wie nur irgendwas, herrschte ja am Himmel der abendländischen Aufklärung immerzu Vollmond. Daher heißt es vielleicht im Englischen ‚enlightenment‘, oha!
    Oder aber das rhetorische Mittel ist viel weniger ausgefuchst, die Lichtmetapher wird nochmal gewendet und die Autorin dachte sich: auf dem Mond, da ist es kalt und ungemütlich. Auch das wäre nur die halbe Wahrheit, aus der Pink Floyd mal ein Album gemacht hat. Das tertium comparationis hat also auch nichts mit empirischen Distanzen der beiden Körper im Sonnensystem zu tun, wie ja die aktuelle ‚post-Köln‘ Diskussion um Gleichbereichtigung sich an Kategorien orientiert, die sich zu nichts angemessen verhalten.
    Man möchte im Angesicht der drauflosschreibenden Massen sich am liebsten selbst auf den Mond schießen und hoffen, dass derweil die dunklen Jahre vergehen, aber auch das ist nicht vernünftig.

    Mangels Hubschrauber.
    In Berlin Mitte bietet jede öffentliche Toilette mehr Ruhe und Abgeschiedenheit als ein Apartment in Baltimore City.

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