Adorno war nicht radikal genug. Barbarisch sind nicht jene, die eine Tür nicht leise zu schließen im Stande sind, sondern jene, die nicht in der Lage sind, eine Tür überhaupt zu schließen. Mangelnde Empathie entsteht, wenn man auf den 100 Fuß vom SUV zum Starbucks nicht ausreichend Zeit hatte, um die Erfahrung von Kälte zu machen. Die freundliche Geste des Türaufhaltens wird bei -12 Grad zum Ausweis unendlicher Ignoranz.

    13 von 14 Frauen haben nach der Einnahme des Präparates abgenommen. Die Prämissen hinter diesem Bruch sind von derartiger Menschenverachtung, dass man von Gewalttätigkeit sprechen muss. „Wir haben 100 Leute gefragt…“ ist vielleicht die perfideste Tarnung von Totalitarismus überhaupt. Spielerisch ist daran schon lange nichts mehr. Wer die Gewalt jedoch akzeptiert, kann eine Statistik auch als pragmatische Lebenshilfe begreifen. Die Hardware zur Selbstvermessung, die viele Amerikaner als Armband mit sich herumtragen, wird von ihnen durchaus als Befreiung empfunden. Selbstoptimierung hieß einst sich im Kloster an Jesus anzunähern. Dazu brauchte man Exegeten, die sein Leben aus der Bibel und Apokryphen konstruierten.
    Die Autorität über die Deutung der Zahlen liegt heute bei den Datensammlern und wer 100 Leute fragt wird ohne Zweifel feststellen, dass die Akpzeptanz von Klosterbrüdern unter der von Administratoren liegt.

    Wer sich der Statistik annähert, ist kein Revolutionär, sondern will genau in der Mitte der Gesellschaft ankommen. Das Heilsversprechen des ‚Durchschnitts‘ vermehrt die Arbeit am status quo und heilt uns von jeder utopischen Anstrengung.

    Einen Mangel an idiologischem Bewusstsein kann sich vor Ohren führen, wer evangelikale Christen belauscht, die sich über das gute Leben unterhalten. Richtig Grund zum Lachen hat aber nur, wer die Beweise für das gute Leben auf der Seite einer Cornflakes-Schachtel nachliest.

    Die meistgelesenen rituellen Texte sind die auf Shampoo-Flaschen, Müslipackungen, Brotaufstrichen und allgemein alles Gedruckte, das am Frühstückstisch und auf der Toilette zum Nachbeten herangezogen werden kann. Wer das Abendland retten will, sollte die Wochenendausgabe der TAZ auf Nutellagläser drucken.

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